Max Graupner

Das fußballerische Urgestein

Ausschnitt aus dem Mannschaftsfoto von Concordia Nowawes im Jahr 1927
Quelle: Nachlass Schupo Tietz, Sammlung Lüscher
Ohne „Onkel Max“ ist der Nowaweser Arbeiterfußball kaum vorstellbar. Der gelernte Schmied und „Orensteiner“ wird am 19.08.1890 in Nowawes in der Mittelstr. 12 (heute Wichgrafstr.) in einer typischen Weberfamilie geboren.
Seit 1907, schon mit 17 Jahren rennt er bei „Concordia Nowawes 06“ dem Ball hinterher. Nach dem verheerenden 1. Weltkrieg und einer russischen Kriegsgefangenschaft ist er einer der Ersten, die den Arbeitersportes in Nowawes wiederbeleben. Der Euphorie der Revolutionstage folgend nimmt der nunmehr 29jähriger Verbindungen zum Arbeiterturnverein „Freiheit“ auf mit dem Ziel, einen umfassenden und schlagkräftigen Arbeitersportverein in Nowawes zu schaffen. So entsteht auch durch sein Mittun durch Verschmelzung von Concordia und Freiheit im Mai 1919 die „Freie Turn- und Sport Vereinigung Nowawes 1894“, das Mitglied der „Märkischen Spielvereinigung“ und damit auch des Arbeiter-Turn und Sportbundes wird. Innerhalb der FTSVgg wird er Mannschaftsleiter der Fußballer. Im Juni 1928 kommt es dann auf dem 16. Bundestag des ATSB in Leipzig zu schweren politischen Auseinandersetzungen zwischen sozialdemokratisch und kommunistisch geprägten Arbeitersportlern, dessen Ergebnis der Ausschluss des kommunistisch dominierten Arbeiter- und Sportkartells Berlin und dessen Fußballer-Organisation, die MSV ist.
Max Graupner – der selbst nicht KPD-Mitglied ist - kritisiert die Entscheidungen des 16.Bundestages. Die Mehrzahl der Fußballer der „FTSVgg Nowawes 1894“ wird ausgeschlossen und bildet unter Leitung von Max Graupner 1928 den nun wieder selbstständigen Arbeiterfußballverein „ASV Concordia 06 Nowawes“, der in der „Märkischen Spielvereinigung“ verbleibt.
Nach der Machtübernahme der Nazis wird Max Graupner noch im März 1933 als Vorsitzender der „kommunistischen“ Arbeiterfußballer verhaftet und zwei Tage lang geschlagen. Mitstreiter verrät er dennoch nicht. Am 21. April 1945, einen Tag nach Hitlers Geburtstag, wird er erneut wegen „staatsfeindlicher Äußerungen“ verhaftet. Acht Wochen muss er im Untersuchungsgefängnis in der Potsdamer Lindenstraße Schläge und Fußtritte über sich ergehen lassen.
Geburtshaus von Max Graupner: 3. Weberhaus rechte Seite vom großen Haus
Quelle: grussauspotsdam.de
Sein Arbeitersportverein wird als „Eintracht Nowawes 06“ gleichgeschaltet und Max Graupner nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis untersagt, im Verein leitend tätig zu sein. Seinen Sportfreuden von Concordia bleibt er dennoch verbunden, was dem Nowaweser „Obernazi“ Dr. phil. Eduard Vortisch, Oberstudienrat a.D. und Vorsitzender der gleichgeschalteten „Turnerschaft Nowawes 1862“ nicht verborgen bleibt. Dieser setzt das Kesseltreiben gegen Max Graupner und „Eintracht 06“ unvermindert fort. Dennoch gelingt es Max Graupner und Sportkameraden den ehemaligen Arbeitersportverein vor den Zugriff der Nazis und die drohende Verschmelzung mit Nowawes 03 (später Babelsberg 03 bzw. Potsdam 03) zu verhindern.
Der Beginn des 2. Weltkrieges reist auch große Lücken in die Reihen der Eintracht-Mannschaft. 1943 treten die verbliebenen Mitglieder des Ältestenrates von Concordia/Eintracht an Max Graupner heran, er möge die Führung des Vereins übernehmen, um die immerwährenden Angriffe von Dr. Vortisch abzuwehren. Damit verbunden wäre aber der Eintritt in die NSDAP. Mit großen Gewissenskonflikten und ohne Beschönigungen – wie Max Graupner nach der Befreiung zu Protokoll gibt – gibt er dem Drängen des Ältestenrates nach. Er selbst sagt von sich: „Ich wurde Pg. nicht um Nazi zu werden, sondern wegen meiner ideellen Einstellung zum Arbeitersport. Oft habe ich diesen Schritt auch verflucht“. Nach der Befreiung bürgten für Max Graupner die Kommunisten Max Bolz und Richard Schneemann; die Betriebsräte von Orenstein & Koppel (Karl-Marx-Werk) Paul Schmiedicke, Otto Ullrich, Paul Paulick und Bruno Lahs; die Sportgenossen von „Eintracht 06“ Fritz Schulze, Bruno Lahs und Hans Schmidt.